Nachruf auf Piet Mathijssen für die Dewezet
1. April 2020

 

Piet Mathijssen (geb. 1922) wurde als junger Mann in den Niederlanden wegen Widerstands gegen die deutschen Besatzer zum Tode verurteilt. Er durchlief mehrere deutsche Zuchthäuser und kam am 2. November 1944 mit einer Gruppe von Niederländern ins Zuchthaus Hameln.

Seine Gruppe war auf engstem Raum untergebracht; die Verpflegung wurde immer schlechter, die Heizung fiel aus. Piet Mathijssen erzählt, dass an seinem Geburtstag am 26. Januar jeder ein Stückchen von seinem Brot abbrach, so dass er praktisch zwei ganze Schnitten hatte: Es war kein größeres Geschenk denkbar. Er magerte stark ab und bekam die Krätze. Das Sterben eines Mitgefangenen machte einen tiefen Eindruck auf ihn.

Über allem lag die Angst, von Hameln nach Wolfenbüttel transportiert zu werden. Dort wurden die Todesurteile vollstreckt. Der Bombenangriff auf den Hamelner Bahnhof am 3. April verhinderte den Transport.

Den Todesmarsch von 400 Zuchthausinsassen nach Holzen am 5. April, unmittelbar vor dem Einmarsch der Amerikaner, hat Piet Mathijssen nur mit Mühe überlebt. Den ersten Amerikaner, den er sah, umarmte er und konnte nur sagen: „I am happy, happy! My good friend!“. Ein nicht zu beschreibendes Glücksgefühl überfiel ihn. Nach langem Lazarettaufenthalt war er erst am 2. Juni mit seiner Familie wieder vereint.

Das erste Mal nach dem Krieg kam Piet Mathijssen 2012 wieder nach Hameln, um mit einem Filmteam und seiner Enkelin Mare den Film „Nacht und Nebel“ zu drehen, die Geschichte seiner Verhaftung, des Prozesses, der Zeit im Zuchthaus Hameln und des Todesmarsches nach Holzen.

Seitdem datiert die Bekanntschaft, ja Freundschaft mit Bernhard Gelderblom. Piet Mathijssen wurde für den Verein für regionale Kultur- und Zeitgeschichte zu einem der wichtigsten Zeitzeugen bei der Erforschung des Zuchthauses Hameln.

Auf Einladung des Vereins kam Piet Mathijssen 2013 zu einem ausführlichen Besuch nach Hameln. Auf dem Programm standen ein Besuch im Einstein-Gymnasium, das Lager in Holzen, ein Empfang durch die Stadt und ein Gesprächsabend mit Hamelner Bürgerinnen und Bürgern.

Piet Mathijssen hat von dem tiefen Leid gesprochen, das er erfahren hat, aber er hat nie einen Gedanken an Rache geäußert und nie „die Deutschen“ pauschal verurteilt.

Am 25. März 2020 ist Piet Mathijssen im Alter von 98 Jahren verstorben.

 

 

(Donnerstag) 20. Februar 2020

Bernhard Gelderblom und Joachim Schween, Der Hamelner Stadtbaurat Schäfer.

Von 1922-1953 war Albert Schäfer als Stadtbaurat in Hameln tätig. Wie kein anderer hat seine Tätigkeit Spuren im Stadtbild hinterlassen. Bauten wie die Trauerhalle auf dem Friedhof Am Wehl entstanden noch vor dem Zweiten Weltkrieg. Nach dem Krieg war die Schaffung preiswerten Wohnraums vordringlich. Von ihm entworfene oder beeinflusste Bauten wie die Schule am Langen Wall, die Volksbank in der Osterstraße, die restaurierte Marktkirche, aber auch die Weserberglandfesthalle, oder die Pestalozzischule sind bis heute vorbildlich.

In den Räumen des Architekturbüros Jürgens, Friedrichstr. 2, Hameln.
Donnerstag, 20. Februar, 19.00 Uhr
Begrenzte Teilnehmerzahl.

Um Anmeldung per e-mail unter gelderblom-hameln at t-online.de bis 17. Februar wird gebeten. 

 

Rundbrief August 2019

Rundbrief Nr. 24 (August 2019) - (PDF)