Orte der Erinnerung für die Opfer des Nationalsozialismus
im Kreis
Hameln-Pyrmont und angrenzenden Orten
Hemeringen
Texte und Fotos: Bernhard Gelderblom
Jüdischer Friedhof

Foto 2011
| Lage und Größe: | An der Ecke Wahrendahler Straße / Lisettenstraße;
250 qm |
|
| Bestand an Steinen: | 7 Steine (1850 bis 1906)
mit ganz erheblichen Zerstörungsspuren (teilweise nur
Bruchstücke); Rest aus einem größeren Bestand |
|
| Daten zur Geschichte: | 1938 komplett zerstört |
Gräber von sechs russischen Kriegsgefangenen im Forellental bei Hemeringen
In Forellental bei Hemeringen liegen am Waldrand rechts oberhalb der Straße nach Grupenhagen sechs sowjetische Kriegsgefangene. Die Männer stammen aus einem Kriegsgefangenenlager in Hemeringen und mussten im Wald und in einem Sägewerk arbeiten.
Die Namen der sechs Kriegsgefangenen, die sich auf den hölzernen Grabkreuzen finden, sind in offensichtlich verstümmelter Form und teilweise unvollständig verzeichnet. Sie lauten
Bachinh Gisnhu (gest. 1943)
Filipp Nowski (gest.
1943)
Alek Alekcanigpol (gest. 1944)
Uban Ebrzuk (gest. 1944)
Micin
(gest. 1944)
Michael Kulik (gest. 1944)
Die Ursachen des Todes erfahren wir nicht.

Foto 2011
Heute ist die Grabanlage von einer Buchenhecke umgeben und wirkte bei einem jüngsten Besuch gut gepflegt. Zu wünschen ist eine regelmäßige Pflege sowie eine Hinweis- und Informationstafel.
Verschwundene Kindergräber auf dem Gemeindefriedhof Hemeringen
Eine weitere Grablage in Hemeringen ist heute verschwunden. Auf ihr waren Säuglinge und Kleinkinder aus dem „fremdvölkischen Kinderheim“ bestattet, das von Juli 1944 bis Kriegsende im Ort bestand. Die Kinder wurden ihren polnischen und sowjetischen Müttern bald nach der Geburt weggenommen, weil man allein ihre Arbeitskraft nutzen wollte. Die Sterblichkeit in diesen primitiven, völlig menschenunwürdigen Kinderlagern, von denen es in Deutschland über 300 gegeben hat, war erschreckend hoch.
Bisher lässt sich ein Aufenthalt von 26 Kindern in Hemeringen
nachweisen. Von den zwölf Umgekommenen wurden nachweislich acht auf dem
Hemeringer Gemeindefriedhof bestattet. Die Grablage ist durch eine
Zeichnung des Hemeringer Bürgermeisters lokalisierbar (Quelle: ITS Bad
Arolsen). Es wäre ein wertvoller Schritt, den Tod dieser Kinder durch
eine Tafel wieder in Erinnerung zu bringen.
Ein würdiger Gedenkort soll am 15. November 2026 eingeweiht werden.
Die Namen der zwölf verstorbenen Säuglinge und Kleinkinder des „fremdvölkischen Kinderheims“ Hemeringen
Stanislaw Antonijcz wurde am 7. April 1944 im „Entbindungsheim für Ostarbeiterinnen“ in Braunschweig geboren.
Seine Mutter Anastasia Antonijcz, eine Ukrainerin, musste seit April 1940 auf Bauernhöfen in Coppenbrügge arbeiten.
Nachdem der Säugling am 16. Juli 1944 ins Kinderlager Hemeringen geschafft worden war, wurde seine Mutter auf einen Bauernhof in Dehrenberg versetzt. Stanislaw starb am 17. August 1944 im Kinderlager Hemeringen.
Valeria Dobrowa wurde am 26. Juli 1944 in Holzminden geboren.
Ihre Mutter Nadja Dobrowa kam aus der Ukraine und musste auf der Domäne Heidbrink bei Polle arbeiten.
Valeria wurde kurz nach der Geburt ins Kinderlager Hemeringen verschleppt. Als sie an Diphterie erkrankte, kam sie ins Krankenhaus nach Hameln. Hier starb Valeria am 22. Dezember 1944 im Alter von fünf Monaten und wurde auf dem Gräberfeld für Kriegsgefangene am Rande des Hamelner Friedhofs Am Wehl bestattet.
Tadeusz Drobina wurde am 11. Februar 1944 in Hameln geboren.
Seine Mutter Cornelia Drobina war Polin und musste seit Ende 1939 auf Bauernhöfen in Reher und Herkendorf arbeiten.
Ihr Kind wurde am 9. September 1944 nach Hemeringen gebracht, während seine Mutter nach Gellersen wechseln musste. Tadeusz starb wenige Tage später am 20. September 1944 im Alter von sieben Monaten im Kinderlager Hemeringen.
Johann Kaczmarek wurde am 20. Mai 1944 in Hameln geboren.
Seine Mutter Anna Kaczmarek war Polin. Sie musste seit Anfang 1940 in Behrensen arbeiten.
Ihr Kind wurde am 16. Juli 1944 ins Kinderlager Hemeringen verschleppt. Dort starb Johann am 2. Oktober 1944, knapp fünf Monate alt.
Isabella Kruzinowska wurde am 19. Mai 1944 in Hameln geboren.
Ihre Mutter Marja Kruzinowska stammte aus Polen und musste seit Oktober 1943 auf einem Bauernhof in Reinerbeck arbeiten.
Nach der Einlieferung des Kindes in das Kinderlager Hemeringen am 17. September 1944 musste die Mutter auf einen Hof in Flakenholz wechseln. Wenige Monate alt starb Isabella am 4. Oktober 1944 im Kinderlager Hemeringen.
Valeria Kursakowa wurde am 28. Januar 1944 in Hameln geboren.
Ihre Mutter Antonina Kursakowa stammte aus der damaligen Sowjetunion.
Valeria kam am 19. Juli 1944 ins Kinderlager Hemeringen. Dort musste ihre Mutter eine Zeit lang als Pflegekraft arbeiten. Das Kind starb am 15. Januar 1945 kurz vor seinem ersten Geburtstag.
Anna Liechmann wurde am 16. Oktober 1943 in Dehrenberg geboren.
Ihre Mutter Janina Liechmann war Polin. Sie war seit Juli 1940 auf einem Bauernhof in Dehrenberg im Einsatz.
Nachdem ihr Kind am 16. Juli 1944 ins Kinderlager Hemeringen verschleppt worden war, musste sie auf einen Arbeitsplatz in Hameln wechseln. Anna starb am 11. April 1945 im Kinderlager Hemeringen.
Maria Monkowska wurde am 29. März 1944 in Hameln geboren.
Ihre Mutter Eva Monkowska war Polin. Sie musste auf einem Coppenbrügger Bauernhof arbeiten.
Der Säugling wurde zunächst ins Kinderlager Hemeringen gebracht und anschließend ins Krankenhaus Hameln.
Dort starb das Kind am 24. Oktober 1944 im Alter von sieben Monaten an „Ernährungsstörungen“ und wurde auf dem auf dem Gräberfeld für Kriegsgefangene am Rande des Hamelner Friedhofs Am Wehl bestattet.
Erika Schlonzack wurde am 4. Juli 1944 in Hameln geboren.
Ihre Mutter Janina Schlonzack kam aus Polen. Sie musste seit 1940 auf einem Bauernhof in Flakenholz arbeiten.
Der Säugling wurde am 14. August 1944 in das Kinderlager Hemeringen verschleppt. Dort starb Erika am 5. September 1944 im Alter von zwei Monaten.
Halina Singakowa wurde am 20. Juni 1944 in Bad Pyrmont geboren.
Ihre Mutter Antonina Singakowa stammte aus Kursk in Russland. Sie war seit Juni 1942 in der Pyrmonter Hagenerstraße im Arbeitseinsatz.
Der Säugling wurde am 19. August ins Kinderlager Hemeringen geschafft und starb dort nach wenigen Tagen, am 22. August 1944.
Genovefa Margareta Smaga wurde am 8. April 1944 in Wördeholz geboren.
Ihre Mutter Genovefa Smaga war Polin. Sie musste seit 1940 in der Revierförsterei Herkendorf-Wördeholz arbeiten. Nach der Geburt kam sie auf einen Hof in demselben Dorf.
Das Kind wurde am 23. Juli 1944 ins Kinderlager Hemeringen verschleppt. Von dort kam Genovefa ins Hamelner Krankenhaus, wo sie am 19. Oktober 1944 an „Verdauungsstörungen“ starb. Genovefa wurde auf dem Gräberfeld für Kriegsgefangene am Rande des Hamelner Friedhofs Am Wehl bestattet.
Christel Szymaniak wurde am 7. Dezember 1944 im Stadtkrankenhaus Hameln geboren.
Ihre Mutter Maria Szymaniak stammte aus Polen. Sie musste seit November 1941 auf einem Hemeringer Bauernhof arbeiten. Nach der Geburt wurde die Mutter nach Thüste versetzt, der Säugling ins Kinderlager Hemeringen verschleppt.
Von dort kam Christel ins Hamelner Stadtkrankenhaus, wo sie am 17. April 1945, keine fünf Monate alt, an „Ernährungsstörungen“ starb. Vermutlich wurde sie auf dem Gräberfeld für Kriegsgefangene am Rande des Hamelner Friedhofs Am Wehl bestattet.

