Die Dokumentation der Opfer der NS-Herrschaft
in der Stadt Hameln und im Landkreis Hameln-Pyrmont
 

2.  Die Opfer unter den Gefangenen des Zuchthauses Hameln

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Steinwedel, Georg

wurde am 11. September 1898 in Hannover geboren. Der Bildhauer wohnte in Hannover, Engelbostelerdamm 9.
Kurz zuvor verurteil, wurde Steinwedel am 15. Juli 1937 in das Zuchthaus Hameln eingeliefert und blieb hier bis zu seiner Entlassung am 23. Juni 1942.
An diesem Tag nahm ihn die Polizei Hameln in „Vorbeugehaft“, sperrte ihn in das Gerichtsgefängnis und lieferte ihn schon anderntags an die Gestapo Hannover aus. Steinwedel kam am 18. Januar 1943 im KZ Neuengamme ums Leben und wurde auf dem Seelhorster Friedhof in Hannover bestattet.

Gruppenzugehörigkeit:  Zuchthausgefangene / Gestapogefängnis-Ghetto-KZ

Stellpflug, Heinrich August

wurde am 6. Juni 1881 in Göttingen geboren. Der Schneidergeselle wohnte in Göttingen, Gronerstr. 8.
Seit 1939 in Haft und am 4. April 1940 zu einer drastischen Freiheitsstrafe verurteilt, wurde Stellpflug am 17. April 1940 in das Zuchthaus Hameln verlegt.
Heinrich Stellpflug starb am 11. Februar 1945 im Zuchthaus und wurde auf dem Friedhof Wehl bestattet (Feld C I/84).

Gruppenzugehörigkeit:  Zuchthausgefangene / Hameln

Steven, Jakobus

Niederländer, wurde am 1. August 1921 in Den Helder geboren. Der Transportarbeiter war angeblich ohne festen Wohnsitz. Zuletzt war er vermutlich als Zwangsarbeiter in Braunschweig im Einsatz und im „Ledigenheim“ am Hauptbahnhof untergebracht.
Am 29. Mai 1942 nach „Kriegssonderstrafrecht“ verurteilt, wurde Steven am 24. Juni 1942 in das Zuchthaus Hameln verlegt.
Vermutlich zur Jahreswende 1944/45 kam Stevan in das Zuchthaus-Außenlager Holzen zum mörderischen Arbeitseinsatz. Dieser dürfte ihn nachhaltig geschwächt haben.
Jakobus Stevan starb am 3. Februar 1945 im Zuchthaus-Außenlager Holzen und wurde auf dem Gemeindefriedhof Holzen bestattet (Grab-Nr. 42). Seit seiner Umbettung in den Nachkriegsjahren befindet sich sein Grab auf dem Seelhorster Friedhof in Hannover (19f/H31).

Gruppenzugehörigkeit:  Zuchthausgefangene / Außenlager Holzen

Stichnoth, Wilhelm

wurde am 23. Oktober 1889 in Lagershausen im Kreis Northeim geboren. Der Schneider wohnte in Bielefeld, Goldstr. 10.
Kurz zuvor verurteilt, wurde er am 26. Mai 1936 in das Zuchthaus Hameln eingeliefert.
Am Tag seiner Entlassung, am 30. September 1938, nahm ihn die Polizei Hameln für die Gestapo Hannover in „Vorbeugungshaft“ und beließ ihn bis zu seinem Abtransport in das Gestapogefängnis Hannover zwölf Tage lang im Gerichtsgefängnis Hameln. Stichnoth kam sechs Jahre später, am 8. Juli 1944, im KZ Sachsenhausen ums Leben.

Gruppenzugehörigkeit:  Zuchthausgefangene / Gestapogefängnis-Ghetto-KZ

Stoefs, Georges Gustave

Belgier, wurde am 13. August 1882 in Brüssel geboren. Der Lehrer wohnte in Brüssel-Ixelles, rue du Bailli 92.
Als Mitbegründer einer Brüsseler Widerstandsgruppe war Georges Stoefs an Aktivitäten gegen die Besatzungsmacht beteiligt. Die deutsche „Sicherheitspolizei“ (SiPo-SD) nahm ihn am 13. Februar 1942 „bei Nacht und Nebel“ in seiner Wohnung in Ixelles fest und dürfte ihn in das zentrale deutsche Wehrmachtsgefängnis Brüssel-St. Gilles gesperrt haben.
Von dort wurde er vermutlich Ende 1942 heimlich nach Deutschland in das Gefängnis Bochum gebracht.
Am 22. Mai 1943 kam Georges Stoefs mit einem großen Sammeltransport von 150 NN-Gefangenen in das Zuchthaus Hameln. Für NN-Gefangene bestand auch in Hameln eine strenge Isolationshaft mit Informations- und Kontaktverbot.
Am 14. Dezember 1943 wurde Georges Stoefs in das Strafgefangenenlager Esterwegen, eines der KZ-artigen Moorlager im Emsland, verschleppt.
Über 50 Mann des genannten NN-Transportes kamen zumeist Anfang 1944 von Hameln nach Esterwegen, während knapp 70 Mann dieses Transportes im April 1944 in das oberschlesische Zuchthaus Groß Strehlitz gebracht wurden, den zentralen Zielort für NN-Verschleppte seit Frühjahr 1944 und bis zur Deportation in KZs im Herbst 1944.
Georges Stoefs kam jedoch nicht wie auch viele NN-Gefangene aus Esterwegen auf Transport in das Zuchthaus Groß Strehlitz; vielmehr lieferte ihn die Justiz schon im Sommer 1944 an die Gestapo aus. Diese deportierte ihn am 17. Juli 1944 in das KZ Natzweiler-Struthof im Elsaß, das wegen seiner sehr hohen Todesrate besonders berüchtigt war.
Später wurde Georges Stoefs in das KZ Dachau verschleppt, womöglich am 6. September 1944 zusammen mit seinem ehemaligen Hamelner Mitgefangenen Constant Eysganck.
Georges Stoefs starb am 5. Februar 1945 im KZ Dachau, angeblich an Gehirnhautentzündung.

Gruppenzugehörigkeit:  Zuchthausgefangene / Strafanstalten / Esterwegen