Die Dokumentation der Opfer der NS-Herrschaft
in der Stadt Hameln und im Landkreis Hameln-Pyrmont
 

2.  Die Opfer unter den Gefangenen des Zuchthauses Hameln

     Todesorte 3

2.5  Nach der Auslieferung an die Gestapo
 und der Verschleppung in Gestapogefängnisse, KZs und Ghettos

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Rys, Marian

wurde am 30. Januar 1910 in Tälikow im Kreis Lentschütz in Polen geboren. Der Arbeiter wohnte in Lehrte, Iltenerstr. 119.
Seit 1938 in Haft, wurde Rys am 31. Juli 1940 in das Zuchthaus Hameln eingeliefert.
Nach Ablauf seiner Strafzeit am 3. Oktober 1941 holte ihn die Polizei Hameln ab, um ihn zur „Schutzhaft“ in das Gerichtsgefängnis zu verschleppen. Nachdem er hier ungewöhnlich lange, fast drei Monate, eingesperrt war, wurde Rys am Silvestertag in das Gestapogefängnis Hannover „überführt“. Am 27. Februar 1942 deportierte ihn die Gestapo in das KZ Buchenwald und zwei Wochen später, am 14. März 1942, in das KZ Ravensbrück (Männerlager). Hier kam er am 8. September 1942 ums Leben.

Sandmann, Hermann

wurde am 11. Januar 1895 in Löhne im Kreis Herford geboren. Der Arbeiter wohnte in Löhne, Nr. 16.
Seit 1935 in Haft, wurde er am 21. Januar 1936 in das Zuchthaus Hameln eingeliefert.
Am 25. Februar 1938, dem Tag des Ablaufs seiner Strafe, wurde Sandmann laut Zuchthausverwaltung „der Polizei Hameln zwecks Übernahme in poliz. Vorbeugehaft übergeben“. Was in den nächsten Monaten mit ihm geschah, ob er in einem Gestapo-Keller oder einem KZ festgehalten wurde, ist nicht bekannt. Am 26. November 1938 kam Sandmann in das KZ Flossenbürg, nach bald vier Jahren, am 18. Juli 1942, in das KZ Ravensbrück und zuletzt in das KZ Dachau. Hier wurde Sandmann am 27. Dezember 1942 ums Leben gebracht.

Schaper, Karl

wurde am 31. Juli 1884 in Ottenstein im Kreis Holzminden geboren. Der Landarbeiter wohnte auf Gut Corvey bei Höxter.
Kurz zuvor verurteilt, wurde er am 1. Dezember 1936 in das Zuchthaus Hameln eingeliefert.
Am Tag seiner Entlassung, dem 12. September 1939, nahm ihn die Polizei Hameln für die Gestapo Dortmund in „Vorbeugehaft“. Im Gerichtsgefängnis Hameln musste Schaper sechs Wochen verbringen, bis zu seinem Abtransport nach Dortmund am 26. Oktober 1939. Schaper blieb noch knapp drei Jahre am Leben. Er starb am 16. Juni 1942 im KZ Flossenbürg.

Schild, Karl

wurde am 16. Juli 1910 in Wennigsen am Deister geboren. Der Maurer wohnte in Wennigsen.
Kurz zuvor verurteilt, wurde er am 5. September 1933 in das damalige Strafgefängnis Hameln eingeliefert. Am 10. Juli 1935, kurz vor dem Ende seiner Haft, wurde Schild an das Gerichtsgefängnis Celle überwiesen, vermutlich weil ihm ein weiterer Prozess bevorstand. Bis 1938 saß er im Zuchthaus Celle ein.
Nach Ablauf seiner Strafzeit wurde er in „Vorbeugehaft“ genommen und zu einem unbekannten Zeitpunkt in das KZ Sachsenhausen verschleppt, sodann in das KZ Ravensbrück. Hier wurde Schild am 17. Januar 1943 ermordet (erschossen).

Schmidt, Emil

wurde am 4. Juni 1906 in Remscheid geboren. Der Hilfsarbeiter wohnte in Remscheid, Intzestr. 48.
Seit 1935 als KPD-Funktionär in Haft, wurde Emil Schmidt am 25. März 1936 in das Zuchthaus Hameln eingeliefert, um hier lange Jahre bis zu seiner Entlassung am 19. Mai 1942 zu verbringen.
An diesem Tag nahm ihn die Polizei Hameln auf Ersuchen der Gestapo Düsseldorf fest, um ihn in das Gestapo-Gefängnis Wuppertal zu „überstellen“. Die Gestapo verschleppte Emil Schmidt am 18. August 1942 in das KZ Sachsenhausen, anschließend kam er in das KZ Ravensbrück.
1944 wurde er für das Strafbataillon Dirlewanger, eine SS-Bewährungseinheit, zwangsrekrutiert und an die Front geschickt. Nach einem Lazarettaufenthalt im Februar 1945 mit anschließendem „Fronturlaub“ musste er an die Front zurückkehren; seit März 1945 verschollen, wurde Emil Schmidt für tot erklärt.
2009 wurde in Remscheid vor Haus Intzestr. 59 ein Stolperstein verlegt, der an Emil Schmidt erinnert.