Die Dokumentation der Opfer der NS-Herrschaft
in der Stadt Hameln und im Landkreis Hameln-Pyrmont
 

2.  Die Opfer unter den Gefangenen des Zuchthauses Hameln

     Todesorte 3

2.5  Nach der Auslieferung an die Gestapo
 und der Verschleppung in Gestapogefängnisse, KZs und Ghettos

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Siekmann, Rudolf

wurde am 14. August 1882 in Bielefeld geboren. Der Klempner wohnte in Bielefeld, Theesenerstr. 13.
Kurz zuvor verurteilt, wurde er am 21. Juni 1938 in das Zuchthaus Hameln eingeliefert.
Mit Haftende am 10. März 1942 nahm ihn die Polizei Hameln für die Gestapo in „Vorbeugehaft“ und sperrte ihn in das Gerichtsgefängnis, um ihn anderntags in das Gestapogefängnis Hannover zu verfrachten. Vermutlich ohne weitere Zwischenstation wurde Siekmann in das KZ Neuengamme verschleppt, wo er am 16. November 1942 umkam.

Silbermann, Richard

wurde am 27. Juli 1901 in Groß Wartenberg im Kreis Breslau geboren. Der Arbeiter, der jüdischen Glaubens war, wohnte in Groß Wartenberg, Wilhelmstr. 54.
Zwei Jahre zuvor als politisch und rassisch Verfolgter zu einer langjährigen Freiheitsstrafe verurteilt, wurde Silbermann am 21. Dezember 1941 in das Zuchthaus Hameln eingeliefert und nach knapp einem Jahr, am 13. November 1942, mit einem vielköpfigen Transport zumeist jüdischer Langzeit-Gefangener in das Zuchthaus Celle weiterverlegt.
Lange vor Ablauf seiner Strafzeit, am 22. Mai 1943, wurde Silbermann zusammen mit weiteren 18 jüdischen Häftlingen in das KZ Auschwitz deportiert. Dort ist er verschollen.

Silberreis, Karl

wurde am 16. März 1894 in Eschede geboren. Der Friseur wohnte in Frankfurt-Höchst, Hospitalstr. 13a.
Kurz zuvor verurteilt, wurde er am 28. März 1935 in das Strafgefängnis Hameln eingeliefert.
Mit Ablauf seiner Haft am 28. November 1939 nahm ihn die Polizei Hameln für die Gestapo Frankfurt in „Vorbeugehaft“ und brachte ihn in das Gerichtsgefängnis, um ihn dann unverzüglich in das Gestapo-Gefängnis Frankfurt/M. „auf Transport" zu setzen. Seit 6. April 1940 war Silberreis Häftling im KZ Flossenbürg; hier kam er am 5. Februar 1941 ums Leben.

Sinemus, Walter

wurde am 1. April 1908 in Quelle im Kreis Bielefeld geboren. Der Schneider wohnte in Bielefeld, Am Bach 10.
Kurz zuvor verurteilt, wurde Walter Sinemus am 24. März 1936 in das Zuchthaus Hameln eingeliefert.
Nach Haftverbüßung am 10. Mai 1941 nahm ihn die Polizei Hameln für die Gestapo in „Vorbeugehaft“ und sperrte ihn für vier Tage in das Gerichtsgefängnis, um ihn am 14. Mai dem Gestapogefängnis Hannover „zuzuführen“.
Anschließend wurde Walter Sinemus über das KZ Neuengamme in das KZ Dachau verschleppt. Als Todesdatum ist der 7. Juni 1942 überliefert.
Nach Recherchen einer Großnichte ist dieses Datum gefälscht. Vielmehr sei Walter Sinemus am 24. Februar 1942 mit einem sog. Invalidentransport in die „Tötungsanstalt“ Hartheim des KZ Mauthausen gebracht worden. Dort sei Walter Sinemus zusammen mit 100 anderen Gefangenen sofort vergast worden.

Sluiter, Hendrik

Niederländer, wurde am 18. November 1921 in Hardewyk geboren. Der Schlachter lebte zuletzt – vermutlich als Zwangsarbeiter – in Oldenburg.
Kurz zuvor verurteilt, wurde er am 15. September 1943 in das Zuchthaus Hameln eingeliefert. Ende Juli 1944 kam Sluiter in das neu eingerichtete Außenlager Holzen zum verschärften Strafvollzug; erkrankt durch die mörderischen Arbeitsbedingungen wurde er nach Hameln zurückgebracht.
Am Tag vor dem Ablauf seiner Strafe, am 8. September 1944, holte ihn die Polizei Hameln im Zuchthaus ab, nahm ihn für die Gestapo Hannover in „Schutzhaft“ und sperrte ihn in das Gerichtsgefängnis, um ihn wenig später in das Gestapogefängnis Hannover-Ahlem zu „überstellen". Von hier wurde Sluiter in das KZ Neuengamme deportiert, wo er am Silvestertag 1944 umkam.