Die Dokumentation der Opfer der NS-Herrschaft
in der Stadt Hameln und im Landkreis Hameln-Pyrmont
2. Die Opfer unter den Gefangenen des Zuchthauses Hameln
Todesorte 2
2.4.2 Nach der Verschleppung aus dem Zuchthaus Hameln in andere Strafanstalten -
Andere Strafanstalten sowie Hinrichtungsstätten
Zuchthaus Groß Strehlitz in Oberschlesien
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Hennemont, Georges
Belgier, wurde am 15. Mai 1899 in Verviers, Provinz Lüttich, geboren. Der Lagerverwalter wohnte in Andrimont in der Provinz Lüttich, rue Albert Serclases 67. Er war verheiratet und hatte einen Sohn.
Georges Hennemont war seit 15. März 1942 ein sehr aktives Mitglied einer Vorläufergruppe der „armée secrète“, der größten, konservativen Widerstandsorganisation Belgiens: Er war an der Rekrutierung neuer Mitglieder und der Verbreitung von Untergrund-Zeitungen ebenso beteiligt wie an Sabotageaktionen gegen die Stromversorgung der Besatzungsmacht.
Deshalb sowie wegen Waffen- und Sprengstoffbesitzes nahm die Geheime Feldpolizei aus Lüttich Georges Hennemont in seiner Wohnung am 22. Mai 1942 bei „Nacht und Nebel“ fest und brachte ihn in das Besatzer-Gefängnis der Zitadelle Lüttich.
Über das deutsche Wehrmachtsgefängnis Lüttich-St.-Leonard wurde Georges Hennemont am 18. November 1942 heimlich nach Deutschland in das Gefängnis Bochum verschleppt.
Am 22. Mai 1943 kam Georges Hennemont mit einem großen Sammeltransport von 150 NN-Gefangenen in das Zuchthaus Hameln. Für NN-Gefangene bestand auch in Hameln eine strenge Isolationshaft mit Informations- und Kontaktverbot.
Am 29. April 1944 wurde Georges Hennemont zusammen mit knapp 70 Belgiern und Franzosen des genannten Transports in das von alliierten Bomben nicht bedrohte Zuchthaus Groß Strehlitz in Oberschlesien weiterverlegt, den zentralen Zielort für NN-Verschleppte seit Frühjahr 1944 und bis zur Deportation in KZs im Herbst 1944.
Mit Räumung dieses Zuchthauses am 30. Oktober 1944 vor der herannahenden Ostfront wurde Georges Hennemont auf einen mörderischen Todesmarsch zum KZ Groß Rosen in Niederschlesien gezwungen, den er wie Hunderte seiner vornehmlich belgischen Leidensgenossen nicht überlebte.
Georges Hennemont starb am 8. Januar 1945 im KZ Groß Rosen.
Nach Auskunft der Familie hatte Georges Hennemont zwei Söhne; der ältere Sohn, Roger, war ebenfalls im Widerstand und wurde zusammen mit seinem Vater verhaftet und wie dieser nach Deutschland verschleppt. Er überlebte das KZ Dachau und kehrte nach der Befreiung zurück in seine Heimat. Roger Hennemont starb im Dezember 2015 (Roberte van Houte, email vom 7. Februar 2016).
Hick, Leopold
Belgier, wurde am 20. Mai 1906 in Limbourg-Goé in der Provinz Lüttich geboren. Der Maschinist wohnte in Limbourg-Goé, rue Stevreuret. Er war verheiratet und hatte drei Kinder.
Leopold Hick gehörte dem Widerstand in den belgischen Grenzgemeinden an, die 1940 zusammen mit Eupen-Malmedy ganz oder teils von NS-Deutschland annektiert worden waren. Die Gestapo verhaftete ihn vermutlich 1942 (im Sommer?) „bei Nacht und Nebel“ und verschleppte ihn womöglich in das Gefängnis Aachen.
Spätestens Anfang 1943 dürfte er heimlich nach Deutschland in das Gefängnis Bochum deportiert worden sein.
Am 22. Mai 1943 kam Leopold Hick mit einem großen Sammeltransport von 150 NN-Gefangenen aus dem Gefängnis Bochum in das Zuchthaus Hameln. Für NN-Gefangene bestand auch in Hameln eine strenge Isolationshaft mit Informations- und Kontaktverbot.
Am 29. April 1944 wurde Leopold Hick zusammen mit knapp 70 Belgiern und Franzosen des genannten Transports in das von alliierten Bomben nicht bedrohte Zuchthaus Groß Strehlitz in Oberschlesien weiterverlegt, den zentralen Zielort für NN-Verschleppte seit Frühjahr 1944 und bis zur Deportation in KZs im Herbst 1944.
Mit Räumung dieses Zuchthaus am 30. Oktober 1944 vor der herannahenden Roten Armee wurde Leopold Hick auf einen mörderischen Todesmarsch zum KZ Groß Rosen in Niederschlesien gezwungen, dem Hunderte seiner zumeist belgischen Leidensgenossen zum Opfer fielen.
Als das KZ bis Anfang Februar 1945 ebenfalls geräumt wurde, musste Leopold Hick einen Todesmarsch Richtung Westen mitmachen (zum KZ Buchenwald?), sodann einen Transport nach Österreich, der um den 15. Februar 1945 das KZ Mauthausen erreichte.
Leopold Hick starb am 16. März 1945 im KZ Mauthausen, sicherlich infolge der erlittenen Strapazen.
Jacobs, Camille
Belgier, wurde am 2. Juli 1917 geboren (in Welkenraedt?). Der Dreher wohnte in Welkenraedt, nördlich von Eupen, rue de Dison 60.
Camille Jacobs gehörte dem Widerstand in den belgischen Grenzgemeinden an, die 1940 zusammen mit Eupen-Malmedy von NS-Deutschland annektiert wurden. Die Gestapo Eupen verhaftete ihn am 1. August 1942 bei „Nacht und Nebel“ in Aachen und sperrte ihn in das Gefängnis Aachen.
Camille Jacobs scheint zu einer größeren Gruppe von Angeklagten gehört zu haben, die um die Jahreswende 1942/43 vor dem (auswärts tagenden?) Berliner „Volksgerichtshof“ stand. Näheres ist nicht bekannt. Die Tatvorwürfe müssen aber gravierend gewesen sein, denn das höchste NS-Gericht zog nur „schwere Fälle“ der NN-Verfahren an sich.
Um den 1. April 1943 soll Camille Jacobs Häftling des Untersuchungsgefängnisses Bochum gewesen sein.
Am 22. Mai 1943 kam Camille Jacobs mit einem großen Sammeltransport von 150 NN-Gefangenen in das Zuchthaus Hameln. Für NN-Gefangene bestand auch in Hameln eine strenge Isolationshaft mit Informations- und Kontaktverbot.
Am 29. April 1944 wurde Camille Jacobs zusammen mit knapp 70 Belgiern und Franzosen des genannten Transports in das von alliierten Bomben nicht bedrohte Zuchthaus Groß Strehlitz in Oberschlesien weiterverlegt, den zentralen Zielort für NN-Verschleppte seit Frühjahr 1944 und bis zur Deportation in KZs im Herbst 1944.
Mit Räumung dieses Zuchthauses am 30. Oktober 1944 vor der herannahenden Roten Armee wurde Camille Jacobs auf einen mörderischen Todesmarsch zum KZ Groß Rosen in Niederschlesien gezwungen, dem Hunderte seiner zumeist belgischen Leidensgenossen zum Opfer fielen. Als das KZ Anfang Februar 1945 ebenfalls geräumt wurde, musste Camille Jacobs einen Todesmarsch zum KZ Mittelbau-Dora in Thüringen mitmachen, den er nicht überlebte.
Camille Jacobs starb am 17. Februar 1945 im KZ Mittelbau-Dora.
Joly, Marcel
Belgier, wurde am 18. Januar 1920 in Halle bei Brüssel geboren. Der Soldat a.D. wohnte in Brüssel, rue Victor Lemet.
Marcel Joly war Mitglied einer der größten Widerstandsgruppen Belgiens, der „M.N.B“ (franz.: „Mouvement National Belge“). Die Geheime Feldpolizei nahm ihn am 7. Mai 1942 in seiner Wohnung „bei Nacht und Nebel“ fest und brachte ihn in das zentrale deutsche Wehrmachtsgefängnis Brüssel-St. Gilles.
Am 23. Dezember 1942 wurde er heimlich nach Deutschland in das Gefängnis Bochum verschleppt.
Am 22. Mai 1943 kam Marcel Joly mit einem großen Sammeltransport von 150 NN-Gefangenen in das Zuchthaus Hameln. Für NN-Gefangene bestand auch in Hameln eine strenge Isolationshaft mit Informations- und Kontaktverbot.
Am 29. April 1944 wurde Marcel Joly zusammen mit knapp 70 Belgiern und Franzosen des genannten Transports in das von alliierten Bomben nicht bedrohte Zuchthaus Groß Strehlitz in Oberschlesien weiterverlegt, den zentralen Zielort für NN-Verschleppte seit Frühjahr 1944 und bis zur Deportation in KZs im Herbst 1944.
Mit Räumung dieses Zuchthauses am 30. Oktober 1944 vor der herannahenden Roten Armee wurde Marcel Joly auf einen mörderischen Todesmarsch zum KZ Groß Rosen in Niederschlesien gezwungen, dem Hunderte seiner zumeist belgischen Leidensgenossen zum Opfer fielen.
Als das KZ Anfang Februar 1945 ebenfalls geräumt wurde, musste Marcel Joly einen Todesmarsch zum KZ Mittelbau-Dora in Thüringen mitmachen, den er nicht überlebte.
Marcel Joly starb am 13. April 1945 im befreiten KZ Mittelbau-Dora („Baracke 17“), zwei Tage nach Ankunft der US-Truppen.
Josée, Maurice
Belgier, wurde am 9. Januar 1905 in Brüssel geboren. Der Polizeioffizier wohnte in Brüssel-Anderlecht, Avenue d´Itterbeek 254. Er war verheiratet und hatte ein Kind.
Als Widerstandskämpfer an Spionageaktionen beteiligt, wurde Maurice Josée am 27. März 1942 in seiner Wohnung „bei Nacht und Nebel“ von der Geheimen Feldpolizei festgenommen und zunächst in das zentrale deutsche Wehrmachtsgefängnis Brüssel-St. Gilles eingeliefert.
Im September in das Wehrmachtsgefängnis Lüttich weiterverlegt, wurde Maurice Josée am 23. September 1942 heimlich nach Deutschland in das Gefängnis Bochum verschleppt.
Am 22. Mai 1943 kam Maurice Josée mit einem großen Sammeltransport von 150 NN-Gefangenen aus dem Gefängnis Bochum in das Zuchthaus Hameln. Für NN-Gefangene bestand auch in Hameln eine strenge Isolationshaft mit Informations- und Kontaktverbot.
Am 29. April 1944 wurde Maurice Josée zusammen mit knapp 70 Belgiern und Franzosen des genannten Transports in das von alliierten Bomben nicht bedrohte Zuchthaus Groß Strehlitz in Oberschlesien weiterverlegt, den zentralen Zielort für NN-Verschleppte seit Frühjahr 1944 und bis zur Deportation in KZs im Herbst 1944.
Am 30. Oktober 1944 wurde Maurice Josée auf einen mörderischen Todesmarsch zum KZ Groß Rosen in Niederschlesien gezwungen, dem Hunderte seiner zumeist belgischen Leidensgenossen zum Opfer fielen. Als das KZ Anfang Februar 1945 ebenfalls geräumt wurde, musste Maurice Josée an einem der Todesmärsche nach Westen (zu den KZs Buchenwald, Mittelbau-Dora oder Flossenbürg) teilnehmen.
Wie viele andere, die unterwegs vor Erschöpfung starben oder ermordet wurden, erreichte Maurice Josée das Ziel nicht, sondern kam nur bis Bautzen. Ob er im örtlichen Zuchthaus untergebracht wurde, ist nicht bekannt.
Maurice Josée starb im März 1945 in Bautzen.